Jim Clark - Die Tragödie

Der Doppelweltmeister fuhr das erste mal auf dem neuen Ring und starb

Der 7. April des Jahres 1968 hätte als Höhepunkt in die Geschichte des jungen Hockenheimrings eingehen sollen. Kein Geringerer als der zweifache Automobilweltmeister Jim Clark ging beim Formel 2  Europaschaftslauf des AvD an den Start. Zum ersten Mal überhaupt konnte der damals fraglos beste Rennfahrer der Welt für ein Rennen in Hockenheim gewonnen werden. Eine Anerkennung ganz besonderer Art für das 1966 offiziell eingeweihte Motodrom: Die Anwesendheit des schottischen Grand Prix Champions, der gerade zu Beginn der Rennsaison 1968 souverän den “Großen Preis von Südafrika” gewonnen hatte, bedeutete unendlich viel, unterstrich sie doch den Anspruch, daß der Hockenheimring nicht nur Motorradsport, sondern auch bei Autorennen einmal Schauplatz für den deutschen Grand Prix werden sollte. Am Rennsonntag öffnete der Himmel seine Schleusen über dem Hockemheimring. Jean-Pierre Beltois schoss mit seinem blauen Matra sofort in Front, wurde später auch als Sieger dieses traurigen Rennens abgewunken. Jim Clark lag auf dem siebtem Platz, fiel jedoch bald zurück. Der englische Rennsportfachmann Doug Nye schrieb damals: “In der fünften Runde lag Jim Clark allein fahrend an achter Stelle. Er verschwand beschleunigend in den Wald und der Wagen erreichte auf der langen Geraden vor der Ostkurve beinahe seine Höchstgeschwindigkeit. Ein Streckenposten hörte das Näherkommen seines Wagens, nachdem die führende Gruppe vorbeigefahren war. Und dann erschien die rot-weiß-goldene Maschine. Sie schoss von Seite zu Seite und der Fahrer rang mit dem Lenkrad. Der Wagen verließ mit ca. 225 km/h die Straße, schlitterte über den Grasstreifen, überfuhr einige junge Bäume und schlug auf Höhe des Cockpits auf einen größeren Baum ein.”
Die Wucht des Aufpralls bog den Lotus um das hölzerne Hinternis, Jim Clark war auf der Stelle tot.

Der Hockenheimring trug noch geraume Zeit den makabren Ruf, die Rennstrecke zu sein, auf der Jim Clark sein Leben ließ. Für die Saison 1969 investierte die Hockenheim-Ring GmbH 1,5 Millionen Mark, ließ die Bäume in direkter Nähe der Rennstrecke abholzen, um die beiderseitigen Sicherheitsstreifen auf jeweils sieben Meter zu verbreitern und den gesamten Kurs mit Zäunen und Leitplanken auszustatten, Ein Jahr darauf wurden nach Rücksprache mit den Spitzenfahrern die beiden Schikanen auf den langen Waldgeraden eingebaut, um die Spitzengeschwindigkeiten zu reduzieren und die spektakulären Windschattenrennen zu entschärfen.
Zu seinem Gedenken wurde es die Jim Clark - Kurve.
Der Hockenheimring galt fortan als eine der sichersten Rennstrecken der Welt. Daran hat sich auch bis heute nichts geändert, auch nicht nach den tödlichen Unfällen der Formel 2 Piloten Bert Hawthorne 1972 und Markus Höttinger 1980, Formel 1 Rennfahrer Patrick Depailler 1980 und den Motorrad-Rennfahrern Yvan Plazzese 1989 und Simon Prior 1994.

Ayrton Senna

Der dreifache König von Hockenheim

Schon lange nicht mehr war die Begeisterung der Fans bei einem Großen Preis von Deutschland derart spürbar wie an diesem heißen Sonntagnachmittag. In einer Nachtschicht wurden von Samstag auf Sonntag in aller Eile vom Veranstalter Stehplatzkarten nachgedruckt für eine Tribüne, die seit Jahren nicht mehr benutzt worden war. Der Hockenheimring erlebte 1990 mit 100 000 Zuschauern den besten Besuch seit 1970, als Jochen Rindt den Grand Prix gewann. Die Begeisterung erreichte ihren Höhepunkt, als Nigel Mansell Minuten vor dem Start auf die Haupttribüne zulief und zahlreiche Hände schüttelte. Eine Stimmung wie sonst im Fußballstadion und dies ohne Heimmannschaft. Deutsche Namen fehlten am Start. Ayrton Senna gewann den Grand Prix trotz prächtiger Gegenwehr von Benetton-Ford-Pilot Alessandro Nannini. 16 Runden lang konnte der Italiener dem Druck Sennas standhalten, ehe Nannini den Weltmeister von 1988 ziehen lassen musste. Ayrton Senna gewann zum dritten Mal hintereinander auf dem Hochgeschwindigkeitskurs Hockenheimring. Dieser Sieg verleitete den brasilianischen Weltmeister zu folgender Aussage: “Ich fühle mich auf keiner Rennstrecke der Welt so glücklich und so frei wie in Hockenheim. Wenn ich aus dem Motodrom heraus in den Wald fahre, dann ist das ein berauschendes Gefühl. Wie in einem Tunnel - man ist ganz alleine mit sich selbst. Genauso die Schikane in der Ostkurve. Sie fordert einen Fahrer aufs Äußerste heraus, während frische Waldluft ins Cockpit strömt. Dann bin ich lange genug im Leeren gefahren, kehre zurück - und im Motodrom herrscht eine Euphorie wie in einem überfüllten Stadion.” Die genannte Schikane in der Ostkurve wurde nach seinem tragischen Tod in Senna-S umbenannt.